Ich glaube, Friedhöfe können uns genau daran erinnern.

Sie sind keine Orte, an denen das Leben endet.
Sie sind Orte, an denen sichtbar wird, dass es stattgefunden hat.
Hinter jedem Namen ein Leben.
Hinter jedem Datum eine Geschichte.
Hinter jedem Stein ein Mensch, der einmal jemandem wichtig war.
Und vielleicht liegt darin eine der schönsten Wahrheiten der Vergänglichkeit:
Wir müssen nicht ewig leben, damit unser Leben Bedeutung hat.
Ein Sonnenuntergang ist nicht weniger schön, weil er untergeht.
Eine Blume ist nicht weniger kostbar, weil sie verwelkt.
Und ein Leben wird nicht dadurch wertlos, dass es endlich ist.
Vielleicht macht gerade seine Endlichkeit es kostbar.
Das brennende Haus ist also kein Grund, nichts mehr zu tun.
Es ist ein Grund, hinzusehen.
Und dann vielleicht nicht länger am Fenster zu stehen.
Sondern aufzustehen.
Den Menschen zu sagen, dass wir sie lieben.
Den Kaffee zu trinken, solange er warm ist.
Die Musik anzumachen.
Barfuß durch den Sommerregen zu laufen.
Den Friedhof zu besuchen.
Eine Blume zu pflanzen.
Zu vergeben, wenn wir können.
Zu gehen, wenn wir müssen.
Zu bleiben, wenn wir wollen.
Zu lachen, obwohl wir wissen, dass irgendwann niemand mehr über diesen Witz lachen wird.
Und zu lieben, obwohl wir wissen, dass Liebe uns verletzlich macht.
Denn vielleicht ist genau das Mut:
Nicht zu vergessen, dass das Haus brennt – und trotzdem darin zu tanzen.
Memento Mori.
Ja.
Aber nicht als Drohung.
Sondern als Erinnerung.
Memento Vivere.
Erinnere dich daran, dass du lebst.
Noch.
Und heute ist dafür ein ziemlich guter Tag.